The Johnny Winter Story

Johnny Winter timeline in 1972

Johnny Winter Timeline 1972

In 1972 returned to making music after staying one year in the hospital to cure from drugs addiction

 This page covers Johnny Winter in 1972, use the links below to quickly jump to the year: 1970 , 1971 , 1972 , 1973 , 1974 , 1975 , 1976 , 1977 , 1978 , 1979 .

 

 

Rolling Stone Magazine 1972

"Johnny Winter: Just Act Like I'm A Person, Dammit!" A complete scan of this article can be found on the "Mean Town Blues Site

 

Johnny Winter Live in Paris 1972

Jun 1972: leaves the River Oaks hospital, after nine months of treatment for heroin addiction.

Settled down in Woodstock

Went back on stage as a nostalgic white bearded man, in Edgar Winter's group "White Trash".

Joins the Allman Brothers Band during the encore.

Feb 1972: Interview with "Flash??" Magazine (Germany)

Transcript of this Interview with Johnny Winter

Johnny Winter And ... (Interview and Life-Story) Ein langer, spindeldürrer, schielender Albino mit langem seidigem Haar springt und tobt wie ein schockierendes Gespenst über die Bühne und spielt die heißeste Gitarre seit Jimi Hendrix' Zeiten: Johnny Winter! "Ich nenne es Funky-Blues", sagt er, "es ist Blues, aber nie alter Blues. Es ist Musik, wie sie auch von anderen gespielt wird. Trotz-dem halte ich mich etwas mehr an alte Blues-Leute, als an jüngere. Aber ich will nicht für immer nur Blues spielen, weil das dann lang-weilig wird.

 

Interview with

Nur weil Hähnchen dein Lieblingsessen ist, ißt du es nicht sieben Tage in der Woche. Ich spiele, wie es kommt, und wie es mein Wille ist. Viele Leute sagen: Es ist kein Blues mehr, wenn du elektrisch spielst. Aber Blues ist ein Gefühl — mehr als alles andere.' "Gibt es jemanden, von dem du sagen kannst: Er hat das gleiche Blues-Feeling wie ich?" "Nein. Und ich bin glücklich darüber. Jeder soll das, was er tut, auf seine Weise tun." Und auch die CBS ist glücklich darüber, daß er so einmalig ist: Bei ihr unterschrieb Johnny Winter für 600 000 Dollar eine Gage, die einmalig in der Schallplattengeschichte ist.

Nur Bob Dylan erhält mehr, aber erst nach Vertragsverlängerung. Johnny wurde am 23. Februar 1944 in Beaumont, Texas, als Sohn musikalischer Eltern geboren: Sein Vater spielt Saxophon und Banjo und singt in Kirchenchören, seine Mutter spielt Piano. Mit seinem ein Jahr jüngeren Bruder Edgar, von dem zwei brillant arrangierte Solo-LPs erschienen, gründete Johnny schon als kleiner Junge die ersten Bands. Zum ersten Mal machten sie sich einen Namen als IT & THEM, dann als Johnny Winter and the Black Plague. 1962 brach Johnny ein gerade erst begonnenes Hochschulstudium ab, um in Chicago als Profimusiker zu beginnen.

"Ich spielte Musik, aber in Beaumont gab es nicht viel Plätze, wo man spielen konnte. Ich wollte irgendwo hin, und Chicago war, wo der Blues lebte. Ich studierte besonders Robert Johnson, Muddy Waters und B. B. King." Ebenso, wie Robert Johnson noch immer sein großes Vorbild ist, liebt Johnny es auch heute noch, die alten "klassischen Blues-stücke wie "Good morning little schoolgirl" und "Mean Mistreater" zu spielen. Auf seine "Winterization" genannte Art: Die Gesangspartien gehen lückenlos in seine flüssigen Gitarrensoli über. Er liebt lange Läufe mit kurzen "Explosionen" und harten Breaks; und Stakkato! Blues und Rock 'n' Roll! "Ich bin ein Musiker der Gefühle, nicht einer der Technik.

Ich spiele einfach, was ich fühle. Ich kann keine Noten lesen und weiß auch nichts darüber." Sechs Jahre zog Johnny mit "Onkel" Joe Turner (Drums) und Tommy Shannort (Baß) mit einer zigeunerartigen Karawane mit Frauen und Kindern quer durch die Lande von Bar zu Bar, wo sie immer das spielen mußten, was die Betrunkenen gerade hören wollten. Bis sie am Freitag, dem 13. Dezember 1968, in New York ankamen. Hier traf Johnny seinen Manager Steve Paul , der an ihn glaubte und ihm in wenigen Tagen zu der Superstar-Popularität verhalf, die er heute hat. Steve, der vorher Tiny Tim managte: "Jeder kennt mich.

Ich gehe nie zu einem Veranstalter mit einem Vertrag in der Hand; ich gehe mit einem Joint. Als erstes arrangierte ich für Johnny eine Supersession mit Jimi Hendrix, Steven Stills und Mike Bloomfield. Und da war die Hölle los." Entsprechenden Absatz fanden dann auch die lichtschnell produzierten ersten LPs: "JOHNNY WINTER", und "SECOND WINTER". Jeder wollte die "Johnny-Winter-Rock-Show" sehen, bei der zeitweilig auch Bruder Edgar Piano, Orgel und Altsaxophon spielte. — Jeder, nur Johnny selbst wollte bald nicht mehr der "Superstar mit Begleit-gruppe" sein, sondern integrierter Bestand-teil einer optimalen Musikformation.

Er trennte sich von seiner alten Gruppe und fand in den "McCoys" Rick Derringer (Lead-gitar und Gesang), Bruder Randy Z (Drums) und Randy Hohbs (Baß) seine musikalische Ergänzung; und versetzte die Fachpresse in Staunen: Der "ROLLING STONE" schrieb: "Das hört sich nicht richtig an: Johnny Winter, das Idol des Undergrounds und die McCoys, Wert ihr Gewicht in Kaugummi." Daß diese Jungs wesentlich mehr wert waren als die Hitparaden-Sound produzieren-den McCoys, denen die Plattengesellschaft nahezu Note für Note vorschrieb, das bewies die dritte LP "Johnny Winter And" zur Genüge. Trotzdem konnte sich kaum jemand Johnny in einer Gruppe mit einem zweiten Solo-Gitarristen vorstellen.

Johnny dazu: "Ich hatte nie zuvor mit einem zweiten Solo-gitarristen zusammengearbeitet, doch von dieser Tatsache wollte ich mich nicht leiten lassen. Zwei Gitarristen, das bedeutet ja oft: ein einziger riesiger Zusammenprall zweier Egos." Rick Derringer: "Oder es ist so, daß die beiden Gitarristen jeweils ihre Kompetenzen vorher abgrenzen müssen." Johnny: "Und das wollte ich auch nicht. Ich wollte nicht mit irgendwelchen komplizierten Arrangements arbeiten, aus denen es dann kein Entrinnen mehr gibt. Die einzige Möglichkeit für mich bestand darin, daß wir uns zusammentaten und einfach spielten, wobei sich dann alles von selbst ergab.

So haben wir es dann auch gemacht." Mitten in einer Florida-Tournee verließ dann Drummer Randy Z die Gruppe unter merkwürdigen Umständen. Johnny: "Er erzählte, wir würden ihn zum Wassertrinken animieren, und wenn er Wasser tränke, würde er häßlich. Als zweiten Grund, um uns zu verlassen, gab er an, wir ließen ihn auf der Bühne nicht so laut schreien, wie er wollte." Rick: "Dann sagte er ,bringt mich ins Krankenhaus'. Doch die im Krankenhaus woll-ten ihn nicht haben. Er sei gesünder als wir anderen alle zusammen." Johnny: "Mein Bruder Edgar war der einzige, der unsere Stücke kannte, und der einzige, der auf die Schnelle einspringen konnte.

Aber er ist kein Schlagzeuger: Nach kurzer Zeit hatte er die Nase voll: Seine Hände waren schlimm geschwollen. Wir fragten überall herum, ob jemand einen Schlagzeuger für uns kannte und fanden schließlich Bobby Caldwell, der gerade kurz zuvor eine eigene Gruppe namens Tin House gegründet hatte." In dieser neuen Besetzung, in der dann die vierte LP "Johnny Winter Live" erschien, konnte man die Gruppe auch auf ihrer dies-jährigen Deutschlandtournee erleben. Kurze Zeit später nahm Johnny Abschied von der Bühne: Er löste seine Gruppe auf und ließ sich freiwillig in eine "Nervenheil-anstalt" einweisen.

Von Hamburg war Johnny Winter so angetan, daß er außer den beiden kommerziellen Konzerten am Abend nachts um halb eins Uhr noch ein Free-Konzert im Top-ten gab, wobei ihn Tommy Petersen von T. P. Smoke auf der Orgel begleitete.

Maxipop France, 13 Jul 1972

MaxiPop No 3, a bi-weekly French magazine with articles on: J. Hallyday Alvin Lee (Ten Years After) Bob Dylan, Janis Joplin Fillmore Faces : Humble Pie , Johnny Winter , Paul Mc Cartney , Simon & Garfinkel

New Musical Express, 15 Jul 1972

Charles Shaar Murray comments on Johnny Winter's come back.
"Johnny Winter's music is a joy and kindness, the natural product of blues, rock, and country of the Texas adolescence, spiced and sparkled up by all the flash and arrogance and showmanship that we expect from a 70's rock and roll start."

29 Jul 1972 - Crystal Palace.

THE BEST NEWS of last week was that Johnny Winter, after a year in medical exile, was once again alive and functioning, and due to gig in England. This means that we're going to get a chance to hear probably the word's finest straight-ahead rock guitarist getting down and doing it all over again. Winter is a 27-year old - albino blues guitarist, stone-greased white lightnin' out of Beaumont, Texas, who first got famous after a New York impresario named Steve Paul read about him in an article about Texas blues, and signed him to CBS for an unprecedented advance. Predictably enough there came about a prodigious hype and Johnny Winter became a household name before anybody knew what he sounded like. Winter was later to bitterly regret all this ballyhoo.

"I had this fuckin' manager, man," he told me a year ago after a gig ai Reading University, "as a matterafact I've still got him. He made everybody think I got all that bread at one time. It was actually spread over a long time. "I just wished I could give the whole goddam lot back and start over." Winter's career was additionally hampered, in the beginning, by buck-making businessmen taking advantage of Steve Paul's hype by issuing old Texas tapes of varying quality. The best of these, a glorified demo called "The Progressive Blues Experiment", was actually issued some weeks before Winter's official CBS debut, "Johnny Winter and various others soon followed.

They didn't help Johnny much. "People kept coming up to me and saying, 'Hey man, your new album's a bunch of shit', and I'd say, "which one?' and they'd tell me one of the old ones." While "Progressive Blues Experiment" and "Johnny Winter" were high-energy but basically mainstream blues albums, the critics had Alive and well and ready to gig again expected Winter to be in a Cream or Hendrix bag. And so, until the three-sided "Second Winter" was issued in 1969, Johnny Winter looked like the ace flop of the year.

SECOND WINTER, in Winter's words, "saved my ass". With Edgar, his younger brother, . adding support on alto saxophone and assorted keyboards, Johnny came to grips with some rock and roll which mingled with his blues to produce some staggeringly fine music. Together with a few musical conjuring tricks like performing Little Richard's "Miss Ann" as if it was Lowell Fulson's "Reconsider Baby", and Bob Dylan's "Highway 61 Revisited" as if it was "Dust My Blues", there was a wealth of simple, no-holds-barred, all-action extravaganzas such as a blazing "Johnny B. Goode" and the stunning slide-guitar set-piece "I Love Everybody".

That album melted all the accrued resentment. And it made Johnny Winter a real superstar at last. Around this time Steve Paul took an ailing ex-teenybopper band called the McCoys under his wing. Best-known for a lucky hit single of "Hang On Sloopy" cut when they were fiteen, the McCoys were older, sadder, wiser and looking for a new front man. Meanwhile, Edgar Winter had left Johnny's band to cut his solo album "Entrance" and later to form White Trash. Johnny's rhythm section had proved itself too pedestrian to handle Johnny's new material. Inevitably, Winter and the McCoys met; jammed; and formed a new band called Johnny Winter And.

An album of the same name followed soon after, and the partnership of Winter and the McCoys' diminutive singer/guitarist Rick Derringer was deemed most fruitful. (Derringer's the one who looked like Bette Davis in her good days). The new band played tough, modern hard rock with a low blues content . . . and the chance to play off against another guitarist worked wonders for Winter, and the new bass and drums gave him a fine propulsive lift. "It we such a drag," he now says, having to carry those two other guys in the old band."

"JOHNNY WINTER AND" contained one absolute masterpiece, Derringer's "Rock And Roll Hoochie Koo'", a song tailor-made for Winter. To me it will always epitomise Johnny Winter; and it is one of the finest expositions of why we're all here, and what we're all here for. "Rock and Roll Hoochie Koo/lawdy mama light my fuse/Rock and roll hoochie koo/come on out and spread the news The band were miraculous live. The sight of tall, spectral milk-white Winter bounding across the stage to tower over the dark, stocky little Derringer, defiantly blowing hot lix and slick tricks right back at him, is one of the definitive images of the rockand roll concert,and the beautiful, blistering soundtrack of those gigs can be heard on Winter's last album, Johnny Winter And/Live.

For my money Johnny Winter is the finest working white blues guitarist (an outrageous claim, but not indefensible). With Michael Bloomfield, Eric Clapton and Peter Green all in various kinds of retirement, and Jeff Beck's playing getting more and more bizarre and less bluesy every day, Winter is the champion of earthy, stinging, hamburger blues. When he hits the stage with Edgar and Derringer at Crystal Palace on the 29th, let's hope the sun's shining and everybody's loose, high and happy. Johnny Winters music is a joy and a kindness, the natural product of the blues, rock and country of a Texas adolescence, spiced and sparkled up by all the flash and arrogancE and showmanship that we expect from a '70's rockanroll star.

Let him enjoy you. There's no way you won't enjoy him.

Get down!

Charles Shaar Murray

Sunday, 6 August 1972: Hollywood Bowl

Johnny Winter appears as special guest with the Allman Brothers

 

Pop Magazine (Germany) - December 1972

Johnny Winter - Ich war ein Fixer

Johnny Winter comments on his period of drug abuse (German language)

Als er im Jahre 1962 vor den Schallplattengeschäften Chicagos auf einer ausgeliehenen Gitarre herumklimperte und die Leute für den Blues und sein grösstes Idol - Muddy Waters - zu begeistern versuchte, war die Welt für den damals kaum 18jährigen Johnny Winter noch völlig heil und in Ordnung. Hätte ihm damals einer prophe zeit, dass nur wenige Jahre später ein junger Mann namens Johnny Winter die Leute von den Sitzen reissen und ganze Konzertsäle zum Rasen bringen würde, er hätte ihn wohl ausgelacht oder zumindest ungläubig angestarrt. Denn es lag noch ein langer Weg zwischen den Strassen Chicagos und der begeisterten, nach Johnny Winter schreienden Menge des Fillmore East. Und hätte es damals einer gewagt, den jungen Bluesenthu siasten vor den vielen Gefahren zu warnen, die sich parallel zum Erfolg einstellen, er hätte wohl ebenso wenig Gehör gefunden.

Jam mit Mike Bloomfield

Von den Strassen Chicagos zog Johnny Winter in die zahlreichen Clubs, und dort seine Botschaft vom Blues zu verkünden. «Ich spielte mit vielen guten Leuten zusammen», erinnert er sich heute, «die zwar damals alle unbekannt waren, sich aber alle später einen Namen schafften. Da gab es Barry Goldberg, der in der Gruppe (Robbie And The Troubadours) mitmischte. Oder Mike Bloomfield, der den Club <Fickle Pickle> leitete und dort all' jenen Leuten Arbeit verschaffte, die sonst niemand haben wollte. Leute wie Little Brother Montgomery oder Big Joe Williams. Viel Geld hat Mike nicht rausscheffeln können aus seinem Club. Ich spielte oft Mundharmonika dort. Später ging ich nach Texas zurück und habe Bloomfield erst im Fillmore im Jahre 68 wiedergesehen.»

«Sock it to me, soulbrother!»

Wieder zurück in Texas schloss sich Johnny einer riesigen Unterhaltungsgruppe an, die ähnlich Joe Cockers Mad Dogs & Englishmen mit Kind und Kegel durch die Lande zog und sämtliche zweit- und drittrangigen Clubs des Südens abgraste. «Den Blues wollte keiner hören, die Besoffenen schrien immer wieder nach Soul. Und so habe ich versucht, den Blues auf Schleichwegen in unsere Musik reinzuschmuggeln, so oft ich nur konnte.» Es muss aber trotzdem Leute gegeben haben, die im Stande waren, das Talent des Mr. Winter durch die abgefuckten Soul­phrasen hindurch herauszuhören. Denn im Dezember 1968 erschien in der amerikanischen Top-Musik­zeitung «Rolling Stone» ein zwei­seitiger Artike' über das Blues-wunder aus Beaumont in Texas.

Der grosse Abend im Fillmore East

Steve Paul, einer der führendsten Promoter im Popbusiness, las die Story, interessierte sich und flog kurzerhand nach Houston, um Johnny Winter zu suchen. Wenige Tage später spielte Johnny bereits in Pauls Club in New York, der bald allabendlich zum Bersten vollgestopft war mit Leuten, die alle gekommen waren, um den neuen Mann zu hören. Und Johnny lernte eine Menge guter Musiker kennen, er jammte mit den Besten des Business. Seine ganz grosse Chance aber hatte er an einem Samstagabend, als er im New Yorker Fillmore East ganz zufällig Mike antraf. Bloomfield lud ihn zu einer Jam-Session ein. Eine Gitarre wurde herbeigeschafft. Um zwei Uhr nachts dann betrat Johnny Winter die Bühne. Bloomfield stellte ihn dem Publikum vor. Und Johnny begann den Blues zu spielen, langsam erst, dann immer hektischer; die bleiche, ganz in Schwarz gekleidete Gestalt wand sich im Takt der Musik - die Leute rasten - das verwöhnte New Yorker Publikum tat etwas, das es sonst nur selten tut - es zollte vorbehaltlosen Beifall, schrie, taumelte vor Begeisterung. Ein neuer Superstar war geboren.

neuen Superstar. «Es war lächerlich». sagt Johnny, «vor allem in New York. Ging ich irgendwo einkaufen oder essen, kam bestimmt so ein Typ, der mich fragte. was ich hier tue. Als ob die nicht sehen konnten, dass ich dabei war, Essen in mich reinzustopfen. Oder ich ging ahnungslos die Strasse hinunter und nach mindestens ein paar Häuserecken marschierte eine ganze Armee hinter mir her. Das ganze Startheater mag ja manchmal ganz lustig sein, wenn man sich mal aufspielen oder eine Frau aufreissen will. Aber immer so zu leben - nee danke! Ich hätte manchmal laut rausschreien mögen: behandelt mich doch wie einen normalen Menschen und nicht wie einen gottverdammten Rock'n'Roll-Star!»

Von der Rock- zur Drogenszene

Doch Johnny Winter musste mit seinem Starimage leben, er konnte nicht einfach abschalten. Sein Albinogesicht liess sich nicht so ohne weiteres hinter einer dunklen Sonnenbrille verstecken. Und als ihm die Sache über den Kopf wuchs, tat er etwas, was viele Leute in seinem Business vor ihm getan hatten - er schaltete ab, er schaltete um - auf Drogen! Johnny Winter zu diesem Thema: «Zuerst tat ich's, weil es aufregend und gefährlich war. Ich fühlte mich gut. So tat ich's ab und zu. Mit der Zeit fand ich heraus, dass die Drogen mir viel mehr bieten konnten. Vor allem, wenn ich <on the road> war und keinen kannte. Ich war oft wahnsinnig einsam. Dazu kam, dass ich Nacht für Nacht dieselben Songs spielen musste. Es kotzte mich an. Da kann ein bisschen von dem Zeug Wunder wirken. Auf einmal spielt es keine Rolle mehr, dass es immer die ewig alten Stücke sind, die man zu spielen hat. Es ist egal, dass man niemand kennt. Man realisiert die Leute nicht mehr, die alle versuchen, ein Stück von deinem Star­kuchen abzuschneiden. Nichts spielt eine Rolle mehr!»

«Ich verabscheute mich!»

Das Drogenproblem und die Startumparanoia haben dann Johnny Winter schlussendlich den Rest gegeben. Mit nur einem der beiden Probleme wäre er zur Not wohl noch fertig geworden, aber mit beiden zusammen - «Ich fühlte mich lausig. Ich hatte genug vom Leben, manchmal dachte ich allen Ernstes daran. Schluss zu machen. Nur meiner Mutter habe ich es zu verdanken, dass ich diesen letzten Schritt nicht getan habe. Vielleicht war ich auch zu feige dazu. Es war grässlich. Die ganze Welt kotzte mich an. Ich hatte nur einen Gedanken - du bist süchtig, du bist süchtig. Ich verabscheute mich selbst. Essen, Kleider, Jobs - nichts interessierte mich mehr.»

Ein Jahr ohne Fixe

Johnny Winter meldete sich für eine freiwillige Entziehungskur im Spital von Beaumont, blieb sechs Wochen dort, kam raus - und griff erneut zur Fixe. Bis er eines Tages völlig zusammenklappte. Ein Arzt schickte ihn nach New Orleans. ins River Oaks-Spital. Dort wurde ihm vom ersten Tag jeglicher Drogen­konsum radikal abgestellt. Johnny Winter über seine Erfahrungen in River Oaks: «Die ersten drei bis vier Monate waren die absolute Hölle. Und dann plötzlich geschah etwas mit mir. Ich weiss nicht, was es war - vielleicht das Spital, die Ärzte oder ganz einfach die Tatsa­ che, dass ich so weit von allem weg war - ich fühlte mich plötzlich besser. Ich hatte kein Bedürfnis mehr nach dem Zeug. Ich habe nun fast ein ganzes Jahr nicht mehr gefixt und glaube kaum, dass ich es wieder tun werde. Ganz sicher werde ich natürlich erst nach ein paar Jahren sein. Ich werde nie mehr mit Leuten zusammenspielen, die in der harten Drogenszene mitmischen. Ich habe mir überhaupt vorgenommen, bei meinem nächsten Anlauf viele Fehler nicht mehr zu machen, die mich beim ersten Mal geschafft haben. Keine end­losen Tourneen, kein Herumreisen mehr. Ich werde mich vermehrt auf Studioarbeiten konzentrierer Leute produzieren und vielleich nur noch zwei bis drei Mal pro Woche auftreten. Ich muss sesshaft werden.»

Johnny Winter - was nun?

Das erste (traurige) Kapitel in einer bewegten Musikerkarriere hat in einer Entziehungsklinik in New Orleans seinen endgültigen Abschluss gefunden. Johnny Win­ ter hat gelernt, dass auch ein Leben ohne Drogen durchaus lebenswert sein kann. Bleibt nur zu hoffen, dass er recht bald die Seiten zu einem zweiten (erfreulicherem) Kapitel Musikgeschichte aufschlagen wird. Noch ist es still um Johnny Winter. Doch letzten Meldungen zufolge soll er sich auf der Suche nach einem geeigneten Schlagzeuger und Bassisten befinden, mit denen er ein neues Rocktrio auf die Beine stellen will. Über das genaue Wie, Wann und Wo herrscht einstweilen noch Schweig en..

Pop Magazine (Germany) - December 1972
Pop Magazine (Germany) - December 1972

 

 

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Last Modified: 06-May-2016 16:33